Züchtungsverfahren

Klassisches Züchtungsverfahren

Durch die Kultivierung von Wildpflanzen sind in einem koevolutiven Prozess über Jahrtausende Kulturpflanzen entstanden. Aus der Beziehung von Mensch und Apfel sind im Laufe der Zeit tausende so genannter Landsorten entstanden. Erst seit rund 200 Jahren werden Apfelsorten bewusst gezüchtet. Dazu werden Apfelkerne ausgesät, um aus den Nachkommen diejenigen mit den gewünschten Eigenschaften auszulesen. Sollen die Eigenschaften zweier Sorten kombiniert werden, so lässt man die Blüten nicht frei abblühen. Auf die Blüte der Muttersorte werden dann mittels Pinsel gezielt Pollen von den Blüten der Vatersorte übertragen. Nach der Befruchtung dauert es mehrere Jahre, bis die Jungbäume soweit gewachsen sind, dass sie ihrerseits wieder Früchte tragen. Bis daraus eine Sorte selektioniert und geprüft ist, dauert es nochmals mehrere Jahre. Wenn dann einmal eine geeignete Sorte gefunden ist, wird diese benannt und von da an vegetativ, d.h. über Pfropfung u. dgl. weitervermehrt.

Biologisch-dynamische Apfelzüchtung

Der methodische Ansatz der Poma Culta Apfelzüchtung basiert auf der klassischen Kreuzungszüchtung. Er geht zudem von einem ganzheitlichen Verständnis des Lebendigen aus. Die Gene sind nicht ursächlich für das Leben, sie sind der physische Ausdruck der Lebensprozesse und deren notwendige physische Grundlage. Der Lebensstrom, der aus der Vergangenheit in die Zukunft fliesst, hinterlässt im Erbgut Spuren seiner Tätigkeit.
Die Vorgänge, die in der Blüte nach der Befruchtung stattfinden und ihren Abschluss in der Samenbildung und -keimung finden, stellen gewissermassen einen Chaosprozess dar, wo sich die stofflichen Strukturen des Erbgutes zunächst auflösen, um schliesslich zu einer neuen Ordnung zu kommen. Für das Pflanzenwesen bedeutet dieser Prozess eine Neuorientierung aus der sich vielfältige neue Möglichkeiten für die zukünftige Entwicklung ergeben. Nicht nur die unmittelbare Umgebung wirkt in dieses Geschehen hinein, sondern auch klimatische und kosmische Rhythmen.
Die Selektion der vielfältigen Nachkommenschaft geschieht unter den realen Bedingungen des biologisch-dynamischen Obstbaus. Es stehen nicht nur Einzelmerkmale im Fokus der Betrachtung, auch gesamtheitliche Beurteilungen in Bezug auf Vitalität und Robustheit am Standort werden vorgenommen. Biologisch-dynamische Pflanzenzüchtung findet deshalb in einem gut gepflegten, natürlichen Lebenszusammenhang statt. Ein biologisch-dynamischer Hoforganismus stellt den idealen Ort für die dargestellte Weiterentwicklung von Kulturpflanzen dar.

Gentechnische Verfahren

Weltweit verspricht man sich heute durch den Einsatz von Gentechnologie auch in der Apfelzüchtung effizienter und kostengünstiger zum Ziel zu kommen als mit der klassischen Züchtung.
So werden zum Beispiel Apfelpflanzen durch das Einfügen eines fremden Genes dazu gebracht, dass sie bereits wenige Monate nach ihrer Aussaat schon blühen und fruchten. Damit kann die Generationenfolge extrem beschleunigt werden. Später wird dann das aktive Gen wieder ausgekreuzt.
Viele Verfechter der Gentechnologie vertreten heute die Meinung, dass technologische Züchtungsverfahren bei denen Gene der gleichen Art eingeschleust werden (Cis-Genetik) unproblematisch seien und deshalb zugelassen werden müssten.
Die Bio-Züchtung hingegen lehnt klar alle Züchtungsverfahren ab, mittels derer das Erbgut auf anderen Wegen als über den natürlichen Blüh- und Samenbildungsprozess verändert wird.
Der Genforschung stehen weltweit enorme Mittel zur Verfügung. Von immer mehr Organismen wird das gesamte Genom „entschlüsselt“. Mit neusten Verfahren (CRISPR-CAS) wird es möglich, gezielt Genabschnitte an bestimmten Positionen zu verändern. Diese Technik hinterlässt keine Spuren im Erbgut, die darauf schliessen liessen, dass mit dieser Methode gezüchtet wurde. Es ist zudem noch unklar, wie diese Methoden rechtlich eingeordnet werden.
Für die Biozüchtung gilt der Grundsatz, dass die Integrität der Zelle im Züchtungsprozess respektiert werden soll. Mit dieser Regelung ist klar, dass auch diese neuen Methoden nicht biokonform sind.

Gesondert zu betrachten ist die "Marker gestützte Selektion", wo mittels DNS-Analyse das Vorhandensein bestimmter Gene nachgewiesen wird, um nachher eine gezielte Auslese auf Pflanzen mit diesen Genen vorzunehmen. Diese Methode arbeitet nur diagnostisch. Es resultieren daraus keine gentechnischen Veränderungen der Erbsubstanz. Sie kann unter Umständen auch in der Biozüchtung für gewisse Selektionen hilfreich und eventuell auch Kosten sparend sein.